Unser Spielekoffer aus vier DaFWEBKON-Spieleabenden

Zur Einstimmung auf die XVI. DaFWEBKON 2027 „Wenn aus Spielen Deutsch lernen wird“ haben wir uns im Oktober 2026 zu vier informellen Spieleabenden getroffen.

Vier Sonntagabende. Jede Menge Spiele. Und eine Erkenntnis: Manchmal braucht ein gutes Sprachlernspiel nicht mehr als einen Ball, ein Blatt Papier oder zwei verbotene Wörter.

Die Idee war einfach: Wir wollten nicht nur über Spiele im Deutschunterricht reden, sondern Spiele teilen, erklären, ausprobieren und weiterentwickeln.

Und dabei entstand nach und nach ein ziemlich großer Spielekoffer.


4. Oktober: Was spielt ihr eigentlich im Deutschunterricht?

Beim ersten Treffen waren wir rund 35 Deutschlehrende.

Wir begannen mit Kennenlernspielen und Icebreakern und sammelten anschließend alles, was in unseren Unterrichtsräumen so gespielt wird: analog, digital, mit Bewegung, mit Grammatik, zum Sprechen oder einfach für fünf Minuten zwischendurch.

Dabei wurde schnell klar:

Ein Spiel muss nicht kompliziert sein.

Drei-/Viereck der Gemeinsamkeiten

So geht’s:
Drei oder vier Lernende bilden eine Gruppe und zeichnen ein Dreieck bzw. Viereck auf ein Blatt. Nun suchen sie im Gespräch Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Gemeinsamkeiten kommen in die Mitte, individuelle Merkmale an die jeweiligen Ecken.

Das kann sprachlich geübt werden:
Fragen stellen, über sich sprechen, Gemeinsamkeiten ausdrücken und auf andere reagieren.


Du bist eine Zeitung

So geht’s:
Eine einzige Frage genügt:

„Stell dir vor, du bist heute eine Zeitung. Was wäre deine Schlagzeile?“

Jede Person formuliert ihre persönliche Schlagzeile des Tages.

Das kann sprachlich geübt werden:
Erlebnisse erzählen, Gefühle ausdrücken, Informationen zusammenfassen, spontanes Sprechen.


Namens-Ballspiel

So geht’s:
Ein Ball wird durch die Gruppe geworfen.

Runde 1: Beim Werfen sagt man den eigenen Namen.
Runde 2: Man sagt den Namen der Person, zu der man wirft.
Runde 3: Man nennt die Person, zu der der oder die Fänger als Nächstes werfen soll.

Spätestens in Runde drei wird es ziemlich lustig.

Das kann sprachlich geübt werden:
Hörverstehen, Namen, Reaktion und Konzentration.


Vokabelspiel mit Musik und bunten Stiften

So geht’s:
An der Tafel stehen deutsche Wörter. Mehrere verschiedenfarbige Whiteboard-Stifte werden zu Musik durch die Klasse gereicht.

Stoppt die Musik, laufen diejenigen mit einem Stift zur Tafel. Die Lehrkraft nennt beispielsweise ein englisches Wort und die Lernenden markieren möglichst schnell das passende deutsche Wort.

Das Interessante: Eigentlich gibt es gar keine Teams. Trotzdem beginnen die Lernenden irgendwann, ihre jeweilige Stiftfarbe anzufeuern:

„Rot braucht noch einen Punkt!“

Das kann sprachlich geübt werden:
Wortschatz, Wortbedeutungen, schnelle Zuordnung und Hörverstehen.


Wörter pflücken

So geht’s:
Wörter oder Bilder aus einem Lied werden im Raum aufgehängt. Dann läuft die Musik.

Sobald ein Wort im Lied zu hören ist, müssen die Lernenden das entsprechende Wort von der Wand „pflücken“.

Wer am Ende die meisten Wörter gesammelt hat, gewinnt.

Das kann sprachlich geübt werden:
Hörverstehen, Wortschatz und schnelle Reaktion.


Ja–Nein-Spiel

Zwei kleine Wörter werden plötzlich verboten: JA und NEIN.

So geht’s:
Zwei Personen stellen sich gegenseitig Fragen und versuchen, die andere Person dazu zu bringen, „Ja“ oder „Nein“ zu sagen.

Eine Fangfrage wäre beispielsweise:

„Du bist doch jetzt im Deutschunterricht, oder?“

Fortgeschrittene Lernende entwickeln schnell Alternativen:

„Natürlich.“
„Das stimmt.“
„Auf keinen Fall.“
„Davon gehe ich aus.“

Das kann sprachlich geübt werden:
Fragen stellen, alternative Antworten finden, Sprachstrategien und spontanes Sprechen.

Das Spiel eignet sich auch sehr gut als kurzer Brain Break.


Oma – Jäger – Tiger

Eine Gruppenvariante von Stein–Papier–Schere.

So geht’s:
Zwei Gruppen entscheiden heimlich, welche Figur sie darstellen wollen: Oma, Jäger oder Tiger.

Für jede Figur wird eine Bewegung vereinbart. Dann stehen sich die Gruppen gegenüber und auf „Eins, zwei, los!“ stellen beide Gruppen gleichzeitig ihre Figur dar.

Das kann sprachlich geübt werden:
Wortschatz, Hörverstehen und schnelle Reaktion.


MMA mit deutschen Komposita

MMA stand bei diesem Spiel scherzhaft für „Mixed Martial Arts“. Tatsächlich handelt es sich um eine Art Activity mit herrlich langen deutschen Komposita.

So geht’s:
Die Lernenden sammeln Wörter wie „Wundstarrkrampfimpfung“ oder „Schienenersatzverkehr“.

Dann müssen die Begriffe erklärt, gezeichnet oder pantomimisch dargestellt werden.

Das kann sprachlich geübt werden:
Komposita, Wortschatz, Umschreibungen und spontanes Sprechen.


11. Oktober: Escape the (Class)Room!

Nach dem ersten Spieleabend wollten wir genauer wissen:

Wie funktionieren eigentlich Escape Rooms im Deutschunterricht?

Also wurde am zweiten Sonntag nicht nur darüber gesprochen – wir spielten.

Wir probierten verschiedene Escape Games aus, darunter das Österreich-Spiel von Urs Luger ‚Das Geheimnis der Hofburg‘ und unterschiedliche Genially-Vorlagen.

Anschließend tauschten wir uns darüber aus: Welche Spiele haben uns gepackt? Welche waren eher langweilig? Wann versteht man intuitiv, was zu tun ist – und wann nicht?

    Danach gab es einen kurzen Blick hinter die Kulissen von Genially: Wie baut man selbst einen kleinen Escape Room?

    Die Herausforderung für die folgende Woche lautete schließlich:

    Wer traut sich, selbst einen kleinen Escape Room zu erstellen?

    Drei oder vier Folien würden vollkommen ausreichen.

    Einige Teilnehmende nahmen die Herausforderung an.

    Wer selbst experimentieren möchte, findet bei Genially inzwischen zahlreiche Vorlagen für digitale Escape Rooms und Breakouts, darunter auch Varianten speziell für den Bildungsbereich.

    Tool-Tipp: Genially – Escape-Room-Vorlagen


    18. Oktober: Unsere eigenen Escape Rooms

    Eine Woche später waren die ersten selbst gebauten Spiele da.

    Unter anderem entstanden (zum Teil unvollendete):

    Katis Krankenhaus-Anamnese Escape Game
    Irmis „Der chaotische Lehrer“
    Veronicas „Lichtmess“
    Heikes „Notruf“

    Wir spielten einige davon gemeinsam durch.

    Danach kam die zweite Herausforderung des Abends:

    Spiele, die fast keine Vorbereitung brauchen

    Denn Spiele sind toll. Aber wer hat vor jeder Unterrichtsstunde zwei Stunden Zeit, Karten auszuschneiden, Materialien zu laminieren oder digitale Spiele zu programmieren?

    Also sammelten wir Spiele, bei denen man im Idealfall einfach sagen kann:

    „Los geht’s!“


    Montagsmaler und Pantomime

    So geht’s:
    Eine Person zeichnet einen Begriff an die Tafel oder stellt ihn pantomimisch dar. Die anderen raten.

    Die Wörter müssen nicht vorbereitet werden. Man kann einfach den Wortschatz aus der aktuellen Unterrichtsstunde verwenden.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Wortschatz, Umschreibungen und spontanes Sprechen.


    Schneeballschlacht

    So geht’s:
    Fragen oder Aufgaben werden auf kleine Zettel geschrieben. Dann werden die Zettel zusammengeknüllt und als „Schneebälle“ durch den Raum geworfen.

    Danach nimmt jede Person einen Papierball, öffnet ihn und beantwortet die Frage.

    Noch weniger Vorbereitung entsteht, wenn die Lernenden die Fragen selbst schreiben.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Je nach Aufgabenstellung Wortschatz, Grammatik, freies Sprechen oder Prüfungsfragen.


    Das lebendige Zimmer

    Hier wird Grammatik körperlich.

    So geht’s:
    Die Lernenden werden selbst zu Möbelstücken und Gegenständen: Lampe, Tisch, Stuhl oder Schreibtisch.

    Eine Person beschreibt:

    „Die Lampe steht neben dem Fenster.“

    Dann wird umgebaut:

    „Ich stelle die Lampe neben den Schreibtisch.“

    Und die „Lampe“ bewegt sich tatsächlich.

    Beim Spieleabend wurde sogar von einer „Lampe“ erzählt, die mit ihren Armen einen Lampenschirm darstellte und sich durch Ziehen an einer imaginären Schnur an- und ausschalten ließ.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Wechselpräpositionen, Wo? + Dativ, Wohin? + Akkusativ und Raumwortschatz.


    Wer …? – das Online-Kamera-Spiel

    So geht’s:
    Alle decken ihre Kamera mit einem Blatt Papier ab.

    Dann kommen Fragen:

    „Wer trägt eine Brille?“
    „Wer hat Haustiere?“
    „Wer spricht mehr als zwei Sprachen?“

    Wer mit „Ja“ antworten kann, nimmt das Papier von der Kamera.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Fragen, Hörverstehen, persönliche Informationen und Kennenlernen.


    Verrückte Sätze – das Faltspiel

    So geht’s:
    Ein Blatt wird gefaltet. Jede Person schreibt einen Bestandteil eines Satzes, ohne zu sehen, was vorher geschrieben wurde.

    Zum Beispiel:

    Subjekt – Verb – Dativobjekt – Akkusativobjekt.

    Dann wird aufgefaltet. Aus den zufällig entstandenen Wörtern müssen grammatisch korrekte und häufig ziemlich verrückte Sätze gebaut werden.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Satzbau, Kasus, Grammatik und Kreativität.


    Leider – zum Glück

    Ein Impro-Spiel, das sehr schnell eine Eigendynamik entwickelt.

    So geht’s:
    Eine Geschichte wird reihum weitererzählt:

    „Leider regnet es heute.“

    „Zum Glück habe ich einen Regenschirm.“

    „Leider ist mein Regenschirm kaputt.“

    „Zum Glück …“

    Die Geschichte wird mit jeder Runde ein bisschen verrückter.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Spontanes Sprechen, Satzverknüpfungen, Erzählen und Perspektivwechsel.


    Gegenstände holen und zeigen

    Besonders einfach funktioniert dieses Spiel online.

    So geht’s:
    Eine Person gibt einen Auftrag:

    „Holt etwas Grünes!“

    Alle verschwinden kurz und tauchen mit einem passenden Gegenstand wieder vor der Kamera auf.

    Oder:

    „Holt etwas, das mit B beginnt!“

    Fortgeschrittene können anschließend ihren Gegenstand beschreiben, ihre Wahl begründen oder eine Geschichte dazu erzählen.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Wortschatz, Beschreiben, Begründen und Erzählen.


    Flaschendrehen mit Imperativ

    So geht’s:
    Eine Flasche liegt in der Mitte und wird gedreht.

    Wer ausgewählt wird, bekommt einen Auftrag:

    „Geh wie ein Roboter!“
    „Hüpf wie ein Frosch!“

    Die Lernenden können die Aufgaben selbst erfinden.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Imperativ, Wortschatz, Hörverstehen und Aussprache.

    Online lässt sich die Flasche durch ein digitales Glücksrad ersetzen. In unserer Sammlung wurde beispielsweise das Glücksrad von Wordwall als Möglichkeit genannt.

    Tool-Tipp: Wordwall bietet neben Glücksrädern auch verschiedene Quiz- und Spielformate; in unserem Spieleabend wurden unter anderem Roulette, Multiple Choice und „Open the Box“ genannt.


    Standbilder und Museumsbesuch

    So geht’s:
    Eine Gruppe baut aus ihren Körpern ein ungewöhnliches Standbild.

    Eine andere Person übernimmt die Rolle der Museumsführung:

    „In der Mitte sehen wir …“
    „Links daneben steht …“
    „Die Person trägt …“

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Bildbeschreibung, Präpositionen, Ortsangaben und Wortschatz.


    Pokerface

    So geht’s:
    Alle stehen im Kreis und wiederholen Wörter.

    Die wichtigste Regel:

    Nicht lachen!

    Wer lachen muss, dreht beispielsweise eine kleine Runde und kommt anschließend wieder zurück.

    Das klingt einfach. Ist es nicht.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Aussprache, Wortschatz und Konzentration.


    25. Oktober: Top Ten in den Kleingruppen

    Beim vierten Spieleabend wurde vor allem in kleinen Gruppen gespielt und ausprobiert.

    Eine Gruppe spielte Top Ten, ein sehr schönes Kommunikationsspiel.

    So geht’s:
    Bis zu zehn Personen bekommen geheim eine Zahl zwischen 1 und 10.

    Dann gibt es eine Frage mit einer Skala.

    Zum Beispiel:

    „Welches Haustier bringst du nach Hause?“

    1 bedeutet „total langweilig“, 10 bedeutet „extrem exotisch“.

    Alle geben eine Antwort, die ungefähr zu ihrer geheimen Zahl passt.

    Danach versucht die Gruppe gemeinsam herauszufinden:

    Wer hatte welche Zahl?

    Und genau dabei beginnt die eigentliche Kommunikation.

    Online funktioniert das ebenfalls: Die Spielleitung kann die geheimen Zahlen per Privatchat verschicken. In Präsenz reichen Nummernkarten von 1 bis 10.

    Das kann sprachlich geübt werden:
    Argumentieren, Einschätzungen ausdrücken, Wortschatz, Diskutieren und kreatives Sprechen.


    Und was ist mit digitalen Spielen?

    Auch digitale Spiele gehörten zu unserem Spielekoffer.

    Kahoot wurde als Quizformat genutzt, bei dem schnelle richtige Antworten Punkte bringen und nach den Runden eine Rangliste entsteht. Blooket bringt zusätzliche Spielelemente hinein. Bei Jeopardy wählen Teams Kategorien und Punktwerte. Wordwall bietet verschiedene Spielformate für bestehende Aufgaben.

    Wer selbst ausprobieren möchte:

    Kahoot: Besonders für Quiz, Wiederholung und Wortschatz. Kahoot bietet inzwischen neben dem klassischen Editor auch KI-Unterstützung, mit der beispielsweise aus einem Thema, einer PDF oder einer Webseite Fragen erzeugt werden können.

    Blooket: Quizfragen werden mit unterschiedlichen Spielmechaniken verbunden.

    Wordwall: Geeignet, um Inhalte in verschiedene Spielformate wie Glücksrad, Quiz oder „Open the Box“ zu übertragen.

    LearningApps: Kleine interaktive Lernbausteine; bei unserem Spieleabend wurde unter anderem ein Pferderennen genannt.

    Genially: Besonders interessant für interaktive Spiele und Escape Rooms. Es gibt fertige Bildungs- und Escape-Room-Vorlagen, die angepasst werden können.


    Unser Spielekoffer ist voll – oder vielleicht doch nicht?

    Nach vier Sonntagen hatten wir eine erstaunliche Sammlung zusammen.

    Da waren Klassiker wie Bingo, UNO, Scrabble, Mensch ärgere dich nicht, Stadt–Land–Fluss und Montagsmaler.

    Dazu kamen digitale Spiele, Bewegungsspiele, Improspiele, Grammatikspiele, Escape Rooms und Spiele, die praktisch überhaupt kein Material brauchen.

    Dabei entstand vielleicht die wichtigste Erkenntnis unserer vier Abende:

    Wir müssen nicht für jedes Lernziel ein neues „Lernspiel“ erfinden.

    Manchmal reicht es, einem bekannten Spiel eine sprachliche Aufgabe zu geben.

    Bei UNO müssen Farbe und Zahl auf Deutsch genannt werden.

    Bei „Mensch ärgere dich nicht“ muss vor dem Würfeln eine Sprachaufgabe gelöst werden.

    Aus einem Wohnzimmer wird plötzlich eine Übung zu Wechselpräpositionen.

    Aus einer Schneeballschlacht wird Prüfungsvorbereitung.

    Und aus zwei verbotenen Wörtern – Ja und Nein – entsteht spontanes Sprechen.

    Ein gutes Sprachlernspiel bringt nicht nur Menschen zum Spielen.

    Es bringt Menschen zum Sprechen.

    Und genau darum geht es bei der nächsten DaFWEBKON:

    Wenn aus Spielen Deutschlernen wird

    Die XVI. DaFWEBKON findet vom 27.–29. Januar 2027 statt.

    Bis dahin gilt:

    Weiterspielen ausdrücklich erwünscht.

    Schreibe einen Kommentar